Bewegtes Leben
Sein Umzugskarton mit Sportfotos und sein traumwandlerischer Griff in dieses „Archiv“ sind Legende. Hans-Helmut Doerr, zuletzt Sportchef bei der Westdeutschen Zeitung in Wuppertal, ist kurz nach Vollendung des 80. Lebensjahres am 19.12.10 in Baden-Baden gestorben. Dorthin war er nach seinem Eintritt in den Ruhestand gezogen – der Liebe wegen, der Liebe zu Pferden und dem Reitsport. Zeitweise war er sogar selber Mitbesitzer eines Reitstalles.
Von den Rassegesetzen der Nazis bedroht, konnte Hans-Helmut in den Wirren des britischen Luftangriffs auf Barmen im Mai 1943 mit seinen Eltern nach Thüringen übersiedeln. Vielleicht verdankte der damals Zwölfjährige den Bomben sein Leben. Mit 17 volontierte er beim „Thüringer Volk“, einem Organ der zwangsvereinigten SED, wechselte danach zur Zeitung der Freien Deutschen Jugend FDJ, „Junge Welt“. Von der Stasi verfolgt, ging er 1951 in den Westen zurück. In seiner Heimatstadt Wuppertal wurde er zunächst freier Mitarbeiter bei der „Westdeutschen Rundschau“, dann Sportredakteur. Fast mit seinem Eintritt in den damaligen Rheinisch-Westfälischen Journalistenverband 1957 wählten ihn die Kollegen im Vorläufer des heutigen Bergischen Journalistenvereins zum Schatzmeister. Dieses Amt sollte er mehr als 30 Jahre innehaben – wohl ein einmaliger Rekord für einen ehrenamtlichen DJV-Funktionär. In den vielen Jahren erwarb Hans-Helmut Doerr sich nicht nur den Ruf eines stets fairen und sachverständigen Berichterstatters, sondern er war auch als Mensch, der sich für die Schwachen und für Minderheiten einsetzte, hoch geachtet.
Helmut Dahlmann