Brände sind nur noch ein kleiner Teil der Einsätze, sagt Wuppertals Feuerwehrchef. Die Arbeit der Einsatzkräfte ist mittlerweile weitaus vielschichtiger. Ein Besuch des Bergischen Journalistenvereins zeigt, warum Journalistinnen und Journalisten wissen sollten, was alles hinter der Feuerwehr steckt.
Von Leon Hohmann
Schwerer Verkehrsunfall auf der Autobahn, Feuer in einer Dachgeschosswohnung, Chemieunfall im Industriegebiet: Wer tagesaktuell über solche Ereignisse berichtet, der weiß grob, wie die Arbeit der Feuerwehrmänner und -frauen läuft. Aber eben nur grob. Wer hat zum Beispiel auf dem Schirm, dass rund ein Drittel der Angestellten nur im Büro arbeitet? Oder in welchen Fällen erhalten Medienschaffende überhaupt Schnellinfos aus der Leitstelle?
Diese und weitere Fragen stellte sich der Bergische Journalistenverein (BJV) und fand Antworten auf der Hauptwache der Berufsfeuerwehr Wuppertal. Und spätestens am Ende war den teilnehmenden Journalistinnen und Journalisten klar: Dieser Besuch hat sich sehr gelohnt – nachmachen dringend empfohlen.
Feuerwehrchef Andreas Steinhard und Sprecher Christian Spoo hatten die Gäste des Bergischen Medienabends zu sich auf die Wache eingeladen. Auch wenn es dabei eine kurze Führung durch Wagenhalle und Leitstelle gab – im Mittelpunkt des Abends stand etwas ganz anderes: die Fragen klären, für die beim kurzen Telefonat mit der Leitstelle oder dem Gespräch mit dem Pressesprecher während eines Einsatzes keine Zeit bleibt.
Wann erhalte ich Einsatzdetails von der Feuerwehr, welche Fragen kann der Pressesprecher beantworten, welche nicht? Und wann fährt er überhaupt raus? Die DJV-Mitglieder erhielten von den beiden Experten umfassende Antworten. On top gab es Wissenswertes dazu, welche Aufgaben die Feuerwehr neben dem Brändelöschen eigentlich übernimmt. Denn das macht nur noch einen kleinen Teil der Einsätze aus, verdeutlichte Steinhard. So gehört beispielsweise der Rettungsdienst in kreisfreien NRW-Städten zum Aufgabenbereich der Berufsfeuerwehr. Und der hat ordentlich zu tun: Rund 6000 medizinische Einsätze arbeiten die Retter in Wuppertal ab – im Monat.
Und da wäre der Katastrophenschutz, der – jahrzehntelang vernachlässigt – jetzt wieder neu aufgebaut wird. Das geht nicht ohne die Feuerwehr, sagte Spoo. Das führe soweit, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mögliche Bunkerstandorte ausfindig machen oder ein riesiges Trinkwasser-Notfalllager planen.
Allein dieser Themenbereich bietet genug Gesprächsstoff für einen ganzen Abend und Ideen für einige Berichte. Auch wenn diese Themen auf den ersten Blick für manche Journalistinnen und Journalisten unspannend zu klingen scheinen, meinte Spoo, sei dem nicht so. Er selbst, der 26 Jahre bei Radio Wuppertal die „Stimme der Stadt“ war, ist im August 2025 Pressesprecher der Feuerwehr geworden – hat sich im neuen Job schnell vom Gegenteil überzeugen können.
